Die da oben

„Die da oben" bloß nicht

„Wer alleine arbeitet addiert - wer miteinander arbeitet, der multipliziert." Was sich auf den ersten Blick wie eine Selbstverständlichkeit liest, erweist sich in der Praxis als eine der komplexesten Aufgaben in der Unternehmensführung.

Was bevorzugen Sie in Ihrem Unternehmen, eine klare hierarchische Struktur oder die Teamarbeit? Wenn Sie die Teamarbeit bevorzugen oder diese einführen wollen, so sollten Sie darauf achten, dass Formulierungen wie „die im Büro" oder „die vom Kundendienst" oder gar „die da oben" in Ihrem Betrieb nicht an der Tagesordnung sind.

Solche Begriffe weisen auf Gruppenbildung hin. Das ist keine Teamarbeit. Ein Team zeichnet sich durch flache oder keine Hierarchien im Unternehmen aus. Das bedeutet nicht, dass der Betrieb in die Hände aller fällt, er gehört schon noch Ihnen.

Der Grundriss des Arbeitsablaufes bleibt ebenfalls der Gleiche. Die Unternehmensführung gibt Aufgaben vor, die dann von den Teams in Eigenverantwortung bearbeitet werden. Das selbstständige Arbeiten im Team hat einen Vorteil: Die Mitarbeiter fühlen sich motiviert, weil sie mehr Eigenverantwortung im Arbeitsprozess erhalten.

Wichtig dabei ist, dass alle im Team umfassend informiert sind und von vornherein mit eingebunden werden. Nur so kommt es zu einer Teamarbeit. Sobald neue Hierarchien auftreten, sind Sie wieder im Gruppensystem gelandet.

Der Begriff Gruppe stammt aus der Biologie, Hier wird die Gruppe über bestimmte Regeln und Rituale definiert. Dies ist bis zu einem gewissen Grad auch in einem Unternehmen von Vorteil, beispielsweise bei der Zertifizierung nach DIN ISO 9001. Die Gruppen entwickeln sich dann selten weiter und nehmen die bestehenden Regeln und Rituale als gegeben hin.
Sie als Unternehmer merken das spätestens, wenn Sie eine Veränderung in Ihrem Betrieb einführen wollen. Dann kommt es zu Bemerkungen wie: „Das haben wir aber immer anders gemacht."
Die Arbeitnehmer haben sich so an die laufenden Prozesse gewöhnt, dass sie gar keine neuen Arbeitsmodelle wünschen. Besonders augenfällig ist dieses Gruppenverhalten, wenn eine Betriebsübergabe an den Junior oder Aktionen in Richtung Kundenorientierung anstehen.

Das Völler-Team

Beispielhaft für den Unterschied zwischen einer Gruppe und einem Team ist eine Fußballmannschaft. Die deutsche Nationalelf unter Erich Ribbeck war eher eine Gruppe junger reicher Männer, die nebeneinander Fußball spielten, wobei sie das gleiche Trikot trugen. Im ersten Spiel unter Rudi Völler waren bereits wieder Ansätze zu erkennen, dass die Nationalspieler miteinander spielten und gemeinsam gewinnen wollten - ein gutes Zeichen für das Entstehen eines Teamgeistes.

Ähnlich könnte es auch in Ihrem Unternehmen aussehen. Häufig lautet die Antwort auf die Frage nach der Zusammenarbeit in der Betriebsleitung: „Wir haben ein gutes Betriebsklima". „Die Antworten der Mitarbeiter auf die gleiche Frage sehen oft ganz anders aus, gerade wenn es um Themen geht wie Kundenreklamationen, Probleme mit der Arbeitsvorbereitung oder auch die Verteilung von Montagefahrzeugen. Diese Differenz der Antworten schließt auf eine Gruppenbildung in dem jeweiligen Betrieb und nicht auf Teamarbeit. Wie gelangen Sie also zum Team?

„bwd"-Tipp
So bauen Sie ein Team auf:

- Planen Sie die genaue Zusammensetzung des Teams
- Laden Sie Ihre Mitarbeiter zu einer Kick-Off-Veranstaltung über ein Wochenende ein
- Auf dem Seminar erklären Sie Ihren Mitarbeitern die Vorteile eines Teams in Ihrem Unternehmen
- Planen Sie mindestens ein Jahr für die Bewältigung anfänglicher Schwierigkeiten ein.

Die Theorie

Jeder Aufbau eines Teams beginnt mit der Überlegung, wie diese Teams zusammen-gesetzt werden sollen. Diese Überlegungen werden ausschließlich von der Geschäftsleitung getroffen. Sie können die Teams beispielsweise nach Funktionen wie Montagetrupps zusammenstellen.

Weiterhin besteht die Möglichkeit, Teams nach Kostenstellen einzuführen und eine dritte wäre, Teams quer durch alle Funktionen zu bilden. Das bedeutet im letzten Fall, dass der Azubi, die Sekretärin und der Geselle auf einmal in einem Team sein könnten. Dies führt am Anfang eventuell zu leichten Missverständnissen, da bisher keine Kommunikationswege bestanden haben.

Als erstes machen Sie eine so genannte Kick-Off-Veranstaltung, das heißt, Sie ziehen sich mit der ganzen Mannschaft zurück.
Am besten organisieren Sie hierfür ein Wochenendseminar, auf dem Sie Ihren Mitarbeitern erklären, warum Sie Teams einführen wollen, wo die Vorteile und wo die Anfangsschwierigkeiten liegen werden. Versprechen Sie keinen Honigkuchenmond, sondern knallharte Veränderungsarbeit.

Am Ende der Teameinführung steht immer das Ziel: Nicht der Chef alleine fährt den Betrieb, sondern der Betrieb fährt sich selbst. Das meint nichts anderes, als dass der Prozess, in dem sich die Mitarbeiter am besten auskennen, im Vordergrund steht.

Die Praxis

In der Praxis heißt das konkret, dass die Arbeit zu größten Teilen selbständig geplant und eingeteilt wird, dass Monteure ihre Fahrzeuge und Maschinen selbst disponieren und dass die Mitarbeiter am Ergebnis der Firma beteiligt sind.
Die Umstellung von der Gruppenarbeit auf die Teamarbeit kann schon ein Jahr dauern, bis alles einwandfrei läuft. Dann haben sich die Mitarbeiter an das neue System gewöhnt und ihre Erfahrungen gehen in betrieblichen Alltag ein.

Das Bilden von Teams lohnt sich ab einer Firmengröße von zehn Mitarbeitern. Unter dieser Betriebsgröße sind die meisten Bodenlegebetriebe ohnehin inhabergeführt und die Mitarbeiter sind zum großen Teil bereits seit langem in der Firma und gehören sozusagen „zur Familie".

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